Indien - Tigersafari Teil 2

...da warteten wir nun auf den König des Dschungels. Oder war es eine Königin? Die anderen Fahrzeuge positionierten sich auch am Wegesrand. Hoffentlich versperrt keiner unsere Sicht, war mein erster Gedanke.

Alle anderen Fahrzeuge waren ausschließlich mit indischen Touristen besetzt. Viele Fahrzeuge waren mit sechs Erwachsenen besetzt und manchmal war noch ein Kind dazwischen gequetscht. Der Grund lag wohl darin, dass jeden Tag nur eine festgelegte Anzahl an Safariautos in den Park dürfen. Deshalb muss man die Gamedrives auch im Vorfeld rechtzeitig buchen. Erstaunlich fand ich, dass die meisten Inder kein Kameraequipment bei sich hatten und Handys waren ja verboten.

Wir warteten ganz gespannt, ob sich der Tiger zeigt. Ganz aufgeregt vor lauter Vorfreude nochmal schnell die Kameras checken. Akku- voll, Speicherkarte- noch genug Speicher, also kann ja nichts mehr schief gehen. Um besser sehen zu können, standen wir fünf im Auto. Da wünscht man sich manchmal, dass man größere Eltern hätte gehabt, die einen selbst etwas höher wachsen hätten lassen, als die mageren 1,73m, die ich erreichte. Martina ist ja noch ein Stück kleiner. Plötzlich zeigte der Ranger in die Richtung, wo der Tiger lang laufen müsste. "Da, ein Tiger, da läuft er, siehst du ihn?"



Ich die Kamera in Anschlag, den Zoom ein und durch den Kamerabildschirm den Tiger gesucht.







Natürlich erstmal wieder daneben gezielt, aber dann hatte ich ihn eingefangen. Von den zahlreichen Autos sichtlich unbeeindruckt suchte er seinen Weg durch das Dickicht.




Er erschien einige Meter vor uns auf unserem Weg, schaute sich kurz um, wirkte eher von unserer Anwesenheit gelangweilt, markierte kurz den Weg und verschwand auf der anderen Straßenseite wieder im Gebüsch.

Wow, dachten wir uns, da hat sich doch alles gelohnt. Wer kann schon behaupten einen Tiger in freier Wildbahn vielleicht 20 Meter von einem entfernt im offenen, kleinen Safariauto gesehen zu haben? Wir jetzt schon. Da der Tiger, später erfuhren wir, dass es eine zirka zweijährige Tigerin war, keine Anstalten machte, sich nochmal zu zeigen und die Zeit auch ablief, fuhren wir mit einem Herz erwärmenden Gefühl und breiten Grinsen zurück zur Lodge.


Für die nächsten Tage blieben uns nun noch sieben Gamedrives, die wir völlig entspannt angegangen sind, denn alles was wir jetzt noch sehen, gabs als Zugabe oben drauf.


Gesundheitsbedingt ließ am nächsten Tag Martina die beiden Gamedrives ausfallen, so dass ich alleine mit Yosh, einem Fahrer und einem Ranger auf Tigersuche ging. Ab diesen Tag fuhren wir nicht mehr eine halbe Stunde zum Gate, sondern fuhren durch das Gate, welches unmittelbar neben unserer Lodge war. So brauchte ich auch nicht den Wecker wieder auf 04.30 Uhr zu stellen, was uns sehr entgegen kam.

Während ich nun allein den Tiger suchte, blieb Martina in der Lodge. Auf unserer Terrasse sitzend lauschte sie den Geschehnissen am Wasserloch. Es musste sich im nicht einsehbaren Bereich ein Drama abgespielt haben, denn ein unheimlicher Lärm durchschlug die Stille. Später sahen wir den Grund auf den Videos der Kamerafallen. Zwei verschiedene Tiger waren darauf zu sehen, weshalb die anderen Tiere lauten Alarm schlugen.

Von all diesen Ereignissen, zirka 50 Meter neben unserem Zelt, bekam ich im Auto sitzend nichts mit.Ich fand auch keine Tiger, dafür aber die noch seltener zu sichtenden Wildhunde.

Ein ganzes Rudel war gerade mit ihren morgendlichen Frühstück fertig und versuchten mit kugelrunden, vollgefressenen Bauch sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Das war auch ein atemberaubendes Erlebnis.

Beim Nachmittagsdrive wurde mir noch das große Glück zuteil, ein Lippenbär zu sehen. Wir waren das einzige Auto weit und breit und da saß er nun am Wegesrand und fraß genüsslich. Als er uns bemerkte zog er sich ein paar Meter ins Dickicht zurück und wir konnten ihn nicht mehr sehen. Ich fragte Yosh, wie oft er als Gästebetreuer ein Bär gesehen hatte. Er sagte, dass sein letzter gesichteter Bär bereits zwei Monate her ist. Tiger wären viel leichter zu entdecken, so zirka einmal pro Woche. Nur der Leopard wäre noch schwieriger zu finden. Seine letzte Sichtung lag bereits vier Monate zurück. Na super, dachte ich, das sind ja Aussichten, aber das ist eben Natur. Und im Dschungel sieht man viel schwieriger Tiere als in der afrikanischen Savanne. Dafür ist es natürlich viel spannender und man freut sich über jede Sichtung.


An den restlichen Gamedrives nahm Martina wieder teil. Diesmal platzierten wir sie jedoch auf den wärmeren und windgeschützteren Beifahrersitz.

Hauptaugenmerk auf den Safaris lag immer auf den Tiger. Es sollte uns noch einmal gelingen einen kurzen Blick auf ihn zu erhaschen. Yosh erzählte uns, dass die meisten Touristen nur wegen der Tiger kämen und Viele enttäuscht waren, weil sie keine sichten konnten.


Am drittletzten Tag standen wir mit unserem Safariauto am Wegesrand, weil es Alarmrufe vom indischen Nationalvogel, dem Fau, gab. Sowohl der Fau als auch der Sambar-Hirsch geben Alarm, wenn sich ein Tiger in der Nähe befinden. Diesen Lauten folgen die Ranger, um die Tiger zu finden. Wir standen also da und hörten plötzlich ein Knacken im Unterholz. Sehen konnten wir nichts.

Plötzlich trat aus dem Dickicht ein Leopard hervor. Sichtlich scheu sondierte er die Lage, fühlte sich augenscheinlich durch die Präsenz einiger Autos unwohl, nahm sein Herz in die Hand bzw. Pfote und überquerte den Weg, bevor er auf nimmer wiedersehen auf der anderen Straßenseite im Dickicht verschwand. Selbst der Ranger, der ja jeden Tag im Park Tiere sucht, war sehr ergriffen von dem schönen Tier. Nun hatten wir so ziemlich alle Highlights, die man am Tag sehen konnte gesehen. Ein voller Safarierfolg zu einer Jahreszeit, die eigentlich garnicht optimal war, da das Gras recht hoch stand.

Trotzdem sahen wir sämtliche Hirsch- und Antilopenarten, Krokodile, die erwähnten Raubtiere, Mungos, selbst eine Dschungelkatze, die jedoch für unsere Kamera zu schnell war und zahlreiche Vögel.


Für Vogelliebhaber ist der Tadoba-Nationalpark ein Eldorado. Über 200 Vogelarten kann man zu den verschiedenen Jahreszeiten dort sichten, davon über 100 an dem 1984 künstlich angelegten zirka 40 qkm großen Irai-See, auf welchem wir am vorletzten Tag eine Bootstour unternahmen. Diese Bootstour ist für alle Vogelfans ein absolutes "Muss", sieht man doch in kurzer Zeit zahlreiche verschiedene Vögel wie Enten, Ibise, Kormorane bis hin zu anmutigen Adlern.


Am Ende der Bootsfahrt bat die Bootscrew um ein Foto von mir. Da dies nicht das erste Mal war, dass wir darum gebeten wurden, fand ich das schon irgendwie eigenartig. Jeder Inder, die mit uns was unternommen hat, wollte sich mit uns fotografieren lassen. Eigenartig, dachte ich, aber wenn man so den Leuten eine Freude machen kann, ziehe ich natürlich gern etwas mein leicht aufwölbenden Bauch ein und lächle in die Kamera.


Die sieben Tage in der TigerTrailLodge gingen so recht schnell vorbei. Das Personal war äußerst freundlich und immer darauf bedacht, uns alles Recht zu machen. Als wir in der Lodge am 26.12. ankamen, waren noch zwei andere indische Familien zu Gast, ab 28.12. waren wir jedoch die einzigen Gäste. Das Essen in der Lodge war mit viel Aufwand und Liebe zum Detail gemacht. Für uns jedoch oftmals etwas zu scharf. Man arbeitete jedoch daran extra für uns die Schärfe rauszubekommen. Erwähnenswert ist auf alle Fälle noch der Umstand, dass die Lodge im Bundesstaat Maharashtra liegt, in welchem absolutes Alkoholverbot gilt. Also war zum Dinner weder Bier noch Wein möglich zu trinken. Aus diesem Grund war dies auch unser langweiligstes Silvester. Wir verzichten auf eine große Party mit Cola und stillen Wasser und gingen noch vor 24.00 Uhr ins Bett, um am 01.01. unseren letzten Gamedrive zu genießen. Da wir bereits alles gesehen hatten, genossen wir nur noch die grüne Natur. Wir sahen zwar nochmal Wildhunde, die waren jedoch zu schnell für unsere Kameras und auch ein Bär zeigte sich nochmal, um uns tschüs zu sagen. Am Nachmittag schaute ich mir die Umgebung nochmals fußläufig an, bevor wir nach dem Dinner um zirka 21.00 Uhr unsere über 24stündige Rückreise antraten. Bei der wirklich herzlichen Verabschiedung schenkte man uns noch in Gips gegossene Tigerspurenabdrücke, eins von einem Weibchen und eins von einem Kater.

Wir selbst übergaben Yosh noch zwei Umschläge mit Trinkgeld, der eine für ihn und der andere für das restliche Personal.

Am Flughafen in Nagpur machte ich mir dann nochmal den Spaß und zählte mit, wie oft wir kontrolliert und meist nach Bordkarte mit Reisepass gefragt wurden. 11 Mal wollte irgendjemand etwas von uns kontrollieren, als wir in München landeten, brauchten wir nur unseren Pass in die elektronische Passkontrolle zu legen und das wars. Da wird einem doch vor Augen geführt, wie frei wir doch in Deutschland leben können. Kein Drohnen-, eZigaretten-, Handy-im-Nationalpark- und Alkoholverbot und die Kontrolle findet einmal und nicht 11mal statt.

Aber dennoch war es eine sehr interessante und Horizont erweiternde Reise, die wir beide genossen hatten und sehr gern weiterempfehlen können. Vor allem Safari-, Katzen- und Vogelliebhaber kommen voll und ganz auf ihre Kosten.