• Thomas

Indien - Tigersafari Teil 1

An einem ungemütlichen Wintertag saß ich auf unserer heimischen Couch und surfte wie so oft durchs Internet. Ich stieß über meine Facebook-Freundin Ilona auf Ihren Reiseblog und dort auf einen Reisebericht zu einer Tigersafari in Indien (https://www.reiseservice-rother.de/reiseberichte/indien-2015/). Wow, dachte ich, solch eine Safari muss auf meine Löffelliste.

Gesagt-getan.

Ich nahm zu Ilona Kontakt auf und informierte mich, wie sie die Tigersafari erlebte. Leider war für das aktuelle Jahr Martina diejenige, welche unsere Reiseziele aussuchte. Und da war Indien nicht vorgesehen. Aber das Jahr drauf bin ich ja wieder der Bestimmter, dachte ich.

Nun gibt es Destinationen, wo ich meine Frau einfach nicht hinbekomme. Auch nicht, wenn ich mit Engelszunge auf sie einrede. Zum Glück gehörte Indien nicht zu Martinas "No-Go-Areas"


Ich schaute mir die Klimatabelle des Tadoba-Nationalparkes an und stellte fest, dass es zu Weihnachten und Silvester dort um die 25 Grad warm ist. Super, das passt, dachte ich mir und buchte über Ilonas Reisestübchen und ihre Kontakte diese Reise.


Unser Flug ging am 25.12.2019 frühs um 08.40 Uhr von München. Man soll ja bekanntlich spätestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, sprich 06.40 Uhr. Wir hatten sogar Zug-Zum-Flug-Tickets. Aber hallo? Es gibt leider kein Direktzug von Mühlhausen/Thüringen nach München. Und mit Umsteigen wären wir ein halben Tag unterwegs gewesen. Also es hilft nichts, wir müssen mit dem Auto anreisen.

Zufällig war ich im Oktober beruflich in Eching, nördlich von München unterwegs und sah ein großes Werbeschild für Parkplätze und Shuttleservice zum Airport.

Dort buchten wir für neun Tage ein Parkplatz und zahlten inklusive Shuttleservice gerade einmal 48 Euro.


Wir fuhren also nachts um zirka 01.30 Uhr von zu Hause los, waren pünktlich am Parkplatz und problemlos am Flughafen.

Der Check-In-Schalter von Qatar Airways war bereits offen und wir konnten zügig einchecken, dachten wir. Die Schlange nahm zügig ab und wir kamen an den Schalter. Wo soll es hingehen, fragte uns der Check-In-Mitarbeiter. Nach Nagpur-Indien erwiderte ich. Er checkte alles übergründlich und tippte in sein System, und prüfte und tippte und prüfte unser eVisum und ich dachte, hoffentlich gibt es keine Probleme. Plötzlich stand er auf und sagt, "einen Moment bitte, ich bin gleich wieder da" und verschwand mit unseren Pässen und unseren eVisas. Hm, dachte ich, und nune? Da können Sekunden zu Minuten und Minuten zu Stunden werden.

Er kam jedenfalls mit den Worten "alles in Ordnung" zurück. Neugierigerweise fragte ich, ob es denn ein Problem gäbe. Daraufhin sagte er, dass bei Flügen nach Indien sehr genau geprüft werden müsse, ob auch ja kein Tippfehler im eVisum sei, sonst würde einem nämlich die Einreise verweigert. Der Rest am Check-In war dann problemlos.

Das Gepäck war nun auf dem Weg, also schnell nochmal draußen an der eZigarette ziehen und wir gingen das Gate suchen.

Am Sicherheitscheck dürfte es ja diesmal keine Probleme geben, da wir die Drohne nicht mitnehmen durften und sie somit zu Hause gelassen hatten, dachte ich. Aber, wie sollte es anders sein, Martina piepte wiedermal in der Sicherheitsschleuse. Keine Ahnung welche "Kriegsverletzung" sie mir vorenthält, dass sie jedesmal dort das Teil zum piepen und blinken bringt.


Der erste Flug führte uns nun von München nach Doha, das Drehkreuz von Qatar Airways. Der Flughafen ist sehr modern, schöner als München, aber Muscat im Oman fand ich irgendwie schöner. Dort hatten wir einige Stunden Aufenthalt die wir uns mit einem 6-Euro-Kaffee sowie der Suche nach der Raucherlounge überbrückten. Dort gab es auch kostenloses WiFi, so dass wir ein wenig surfen konnten.

Der Flieger nach Nagpur war etwas enger. Wahrscheinlich nimmt man an, dass wir Europäer dicker sind als die Inder? Wie auch immer, in beiden Fliegern war ein sehr umfangreiches Entertainment-Programm an Bord, so dass man die Flüge gut übersteht.

Wir landeten nachts zirka 02.00 Uhr Ortszeit in Nagpur. Die Zeitverschiebung betrug 4,5 Std. Der Flughafen dieser indischen Millionenstadt war keineswegs mit München und schon garnicht mit Doha vergleichbar. Da wir ziemlich weit vorne im Flugzeug saßen, waren wir auch mit die Ersten, die das Flugzeug verließen.


Aber wie sollte es anders sein, dauerte bei uns die Pass- und Visumkontrolle eine halbe Ewigkeit und wir waren mit die letzten, die ans Gepäckband kamen. Aber wo war unser Gepäck? Wir sahen es deshalb nicht, weil es auf der gegenüberliegenden Seite scheinbar vom Gepäckband gefallen ist. Nun mussten wir uns an eine nicht endende Schlange stellen, um das Gepäck nochmals durch ein Scanner zu jagen. In der Schlange stehend wurde nochmal der Pass kontrolliert, nach dem Scanner nochmal der Körper abgescannt und zum Schluss erwartete uns nochmals eine Leibesvisitation. Meine Güte, man kann es auch übertreiben, dachte ich mir nun fast schon 03.00 Uhr. Schnell noch zu einem schlechten Kurs mit 9% Gebühr etwas Geld getauscht und ab ging es mit dem auf uns wartenden Shuttle zur 145 Kilometer entfernten Tigertrail-Lodge am Tadoba-Nationalpark.


Der Weg dorthin mit kleinen Verkaufsständen am Straßenrand hätte auch in Kenia oder Tansania sein können. Das war uns sehr sympathisch.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kamen wir endlich zwischen halb und um sechs Uhr frühs an und wurden dort von den gesamten Personal der Loge begrüßt und in Empfang genommen.

Wir bezogen unser Zelt und fielen nach gut 24 Stunden Anreise erschöpft ins Bett.

Dieses Luxuszelt sollte nun für die nächsten sechs Tage unser Zuhause sein.

Es war mit einem geräumigen Sanitärbereich, einem großzügigen Wohn- und Schlafbereich mit Klimaanlage sowie einer sympathisch-großen Terrasse ausgestattet.

Die Tagtemperaturen waren, so wie die Klimatabelle es mir auch voraussagte, um die 25 Grad Celsius. Was ich jedoch nicht auf dem Schirm hatte, waren die für uns Frostbeulen empfindlich kühlen Nächte. Aber das sollte doch kein Problem sein, denn wir können die Klimaanlage ja bis maximal 30 Grad stellen, dachten wir. Neeee, eben nicht, sie kühlte nur, heizte aber nicht. Schlussendlich baten wir um ein paar zusätzliche Decken, und das Problem konnte so gelöst werden.

Für diese sechs Tage buchten wir neun Gamedrives und eine Bootsfahrt auf dem naheliegenden Irai-See.

Den ersten Tag jedoch hatten wir keine Aktivitäten gebucht. Das war auch gut so, denn die lange Anreise und der Mini-Jetlag mussten erstmal verdaut werden. Wir nutzen den ersten Tag erstmal zum ankommen und machten uns mit der Lodge vertraut. Wir erfuhren, dass der zirka 1700 Quadratkilometer große Tadoba-Nationalpark mit 88 adulten Tigern und 43 Jungtieren mit die höchste Tigerdichte Indiens vorweisen kann. Da muss es doch möglich sein, einen zu Gesicht zu bekommen, dachten wir beide.





Die Lodge ist durch ein Zaun vor den Tigern, Bären, Leoparden und Wildhunden geschützt. Am Wasserloch direkt hinter den Zaun an unserem Zelt gelegen wurden Kamerafallen aufgestellt. Die fußläufige Erkundung des Wasserlochs war aus Sicherheitsgründen verboten.


Am zweiten Tag sollte die Suche nach dem König des Dschungels losgehen. Wir mussten von der Lodge zirka eine halbe Stunde zum Gate fahren, weshalb wir schon um 05.30 Uhr losfahren mussten. Also stellte ich den Wecker auf 04.30 Uhr, eine Uhrzeit, die so rein garnicht zu meinem Biorhythmus passen will. Aber wer den König sehen will, muss hart sein. Die Fahrt zum Eingangstor war doch recht frisch auf der offenen Sitzbank über dem Fahrerhaus dronend, dem Fahrtwind ausgesetzt sitzend. Wir mussten unseren Reisepass dabei haben und pro zu verwendende Kamera 200 Rupien bezahlen. Handys waren im kompletten Park verboten, so dass wir sie in der Lodge ließen.

Unser Fahrzeug war neben unserem Fahrer, unserem persönlichen Betreuer von der Lodge Yash und uns noch mit einem Parkranger besetzt. Der Ranger erzählte uns, dass gestern zwei Tigersichtungen gelungen waren, was uns Hoffnung gab. Der Gamedrive führte uns an verschiedenen Wasserlöchern vorbei, jedoch die meiste Zeit durch dichtbewachsene Vegetation. Ich dachte mir schon, ob es möglich ist einen Tiger überhaupt sehen zu können, wenn man nur ein paar Meter ins Dickicht sehen kann?


An einem Wasserloch verweilten wir eine längere Zeit, weil kurz vor unserer Ankunft eine Tiger-Mama mit ihren Jungen gesehen worden war. Und da warteten wir nun mit gefühlt 100 anderen Safariautos. Und warteten , und warteten, aber Madame dachte garnicht daran sich zu zeigen.


Aber trotz Dickicht sichteten wir während unseres Gamedrives eine Gruppe Gaur, dem indischen Bison, einige Axishirsche und zahlreiche Vögel.


Auf dem Rückweg zur Lodge kreuzte noch eine Familie Bengalischer Hanuman-Lagur unseren Weg. Wir sollten diese Primaten in den nächsten Tagen noch öfters sehen.

Nach dem Mittagessen machten wir uns bei herrlichsten Sonnenschein wieder auf den Weg zum zirka halbstündig entfernten Eingangstor zum Park. Auf der Fahrt dorthin kauften wir noch einige Packungen Zigaretten, denn die eZigarette ist in Indien ja auch verboten.

Diesmal fuhren wir zum Tor auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Park ein. Dichte Vegetation säumte die Fahrwege. Die Wasserlöcher waren nur von vereinzelten Vögeln besucht. Die Ranger selbst hatten auch keine Telefone im Park dabei, so dass, nicht wie in Afrika oftmals üblich, sich die Ranger über Sichtungen via Telefon informieren konnten. Jeder musste selber suchen. Man hielt zwar an, wenn man sich begegnete und tauschte sich aus, aber Tiger hatte keiner gesehen.

Plötzlich sahen wir die erste Tigerspur. Also Auto gedreht und der Spur nach.

Wir folgten der recht frischen Spur, bis sie sich im Dschungel verlor. Mist, vom Tiger doch nichts zu sehen.

Wir hatten noch zirka eine Stunde vom Gamedrive übrig, die Hoffnung für den heutigen Tag ein Tiger zu sehen schwand zusehends. Plötzlich hektisches Treiben bei den vor uns fahrenden Fahrzeugen. Alle hatten den Rückwärtsgang drinne und fuhren wieder zurück, weil zirka 10 Meter im Dickicht neben uns ein Tiger in die entgegengesetzte Richtung laufend gesichtet wurde. Wir also aufgeregt rückwärtsfahrend dabei unsere Kameras in Position zu bringen. Während der Fahrt war das Filmen völlig unmöglich, wollten man nicht Bäume, Straße und Himmel in kurzer Abfolge aufnehmen.

Wir fuhren also rückwärts bis zur nächsten Wegegabelung und positionierten unser Fahrzeug so hin, dass wir den besten Blick auf den dann aus dem Dickicht heraustretenden Tiger haben müssten. Die Kameras waren in Position und wir warteten...