• Thomas

2020, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt :) Teil 3 wir sind da und bleiben länger

Da sind wir am 16.03. nun gut in Ushongo angekommen und hatten ein sehr guten Schlaf bei warmen Temperaturen. Wir wussten da noch nicht, dass uns einige unruhige Nächte noch bevorstehen werden.

Am nächsten Morgen sind wir froh gelaunt aufgewacht und starteten den Tag völlig unbekümmert, waren doch die Probleme in Europa zirka 8000 Kilometer weit entfernt. Im Laufe des Tages ereilte uns die Nachricht, dass das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung herausgegeben hat. Was für ein ungeheuerlicher Vorgang, dachten wir uns, denn erstens wurde noch nie eine weltweite Reisewarnung herausgegeben und zweitens gab man Reisewarnungen nur dann raus, wenn wirklich ein verifizierter Grund dafür vorlag, wie z.B. ein beginnender Bürgerkrieg oder dergleichen. Diese weltweite Reisewarnung hatte zur Folge, dass die Tourismusbranche in ihre bis dato schwerste Krise seit Bestehen der Republik stürzte.

Während also die ganze Welt drohte ins Chaos zu stürzen, passierte an unserem Strand erstmal nichts.

Da wir natürlich ordentliche Staatsbürger sind, haben wir uns in die ELEFAND-Liste eingetragen, damit unsere Botschaft im Lande weiß, dass am Ushongo-Beach zwei ihrer Staatsbürger sitzen und diese beiden über den "Landsleutebrief" der Botschaft aktuell informiert werden können.

Am 20.03., also vier Tage nach unserer Ankunft, stellten wir fest, dass unser gebuchter Rückflug mit Swiss nicht mehr online ist. Ein Nachfragen bei Swiss, wo sich gerade alles zu überschlagen drohte, von einem Ort mit schlechter Telefon- und Internetverbindung wollten wir uns nicht antun. Glücklicherweise hatten wir ja noch unsere liebe Mitarbeiterin Anja, die wir über WhatsApp gut erreichen konnten. Wir baten also Anja von Deutschland aus unser Rückflugproblem zu lösen. Sie begab sich also in die Höhle des Löwen, also in die Warteschleife der Swiss-Hotline. Wir haben uns nie die Mühe gemacht die Stunden, welche sie sich in der Hotline und dann auch mit den verständlich völlig überstressten Mitarbeitern am anderen Ende der Leitung rumschlug mit ihren Stundenlohn mal hochzurechnen. Und nein, wir werden es auch in Zukunft nicht tun, weil wir auch nicht weinen wollen. Auf jeden Fall ging viel Arbeits- und Lebenszeit da drauf, aber hullahupp die Waldfee kam und es kam zu einer Lösung. Swiss buchte uns ebenfalls für den 02.04. auf ein Flug Daressalam-Johannesburg-Zürich-Frankfurt um. Wunderbar, endlich können wir den Urlaub genießen, dachten wir.

Denn bereits ein Tag später war auch dieser Flug nicht mehr online. Also startete das Prozedere von vorn: Anja-Warteschleife-gestresste Hotlinemitarbeiter-Lösung. Diese Lösung sah vor, dass die Swiss uns auf den 20.04. umbuchte. Wir waren zwar skeptisch, hörten aber, dass dies ein Sammeltaxi sein sollte, welches die gestrandeten Swiss-Kunden zusammensammeln sollte. Das erschien uns einleuchtend.

Aber da die Zeiten gerade etwas unsicher erschienen, ist es besser noch ein zweiten Pfeil im Köcher zu haben. Also schenkten wir unseren damaligen Außenminister Glauben und Vertrauen, als er großspurig mitteilte, dass alle gestrandeten Urlauber zurück nach Deutschland gebracht werden würden, und trugen uns brav in die Liste der Botschaft für das Rückfliegerprogramm der Bundesregierung am 22.03. ein.

Und tatsächlich, Herr Maas schien Wort zu halten. Von Kenia, Sansibar, Südafrika, Marokko und wer weiß noch von wo überall starteten Rückholflieger, die sich die Fluggesellschaften gut bezahlen ließen. Von Sansibar flogen drei Maschinen, die jedoch nicht die Urlauber auf Festland-Tansania berücksichtigten.

Am 24.03. teilte uns unser Sohn Steven mit, dass er und sein Kumpel in Japan festhängen, weil ihr Rückflug, der für den 27.03. geplant war, gecancelt wurde. Nach Japan flogen aber noch Linienmaschinen, jedoch kosteten diese Flüge plötzlich 2500 Euro und mehr. Soviel Geld hatten die beiden natürlich nicht. Jedoch hat die deutsche Botschaft in Tokio ein Deal mit Lufthansa gemacht und man konnte dort für knapp 800 Euro Rückflüge buchen, aber nur mit Kreditkarte. Aber wie sollte es anders sein, beide Kerle hatten natürlich keine Kreditkarten. Da Steven Medikamente benötigte, welche langsam zur Neige gingen, war also erste Priorität die Jungs zurückzuholen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass das Rückholprogramm der Bundesregierung natürlich auch nicht für Japan griff.

Nachdem in Japan auch alle anderen Versuche fehlschlugen ein Rückflug zu bekommen, zahlten wir mit unserer Kreditkarte diese beiden 800-Euro-Flüge. Wir beschlossen für uns, dass wir erst wenn Steven wieder zurück in Deutschland ist, wir unsere Kreditkarten für uns belasten würden.

Zwischenzeitlich, wie konnte es auch anders sein, verschwand auch unser Flug für den 20.04. vom Bildschirm. Mittlerweile flog nur noch Ethiopian Airlines von Tansania Richtung Europa, allerdings wollten sie mittlerweile auch knapp 2300 USD pro Person.

Aber Moment mal, wir hatten ja noch die gebuchten Rückflüge bei Swiss. "Aaaannnnjjjjaa, Hiiilllffffeeee!?!" Anja war also wiedermal in der Warteschleife der Hotline gefangen. Sie sollte erreichen, dass die Swiss uns auf den ET-Flug umbucht. Da beide Airlines ja im Star-Alliance-Verbund sind, sollte dies doch kein Problem sein, oder? Und tatsächlich schaffte es Anja uns dahin umbuchen zu lassen, jedoch erhielten wir über Tage keine Bestätigung. Was ist denn da los? Also wieder: Anja-Warteschleife-gestresste Hotlinemitarbeiter- und dann die Aussage, dass es mit der Umbuchung nicht klappt, weil die Swiss aktuell nur innerhalb der Lufthansa-Group umbuchen darf. Was für eine Unverschämtheit, oder? Gerade in einer Krise sollte man sich doch gegenseitig helfen.

Wir kontaktierten unseren Freund Harald, der mit African Dreamtravel (www.african-dreamtravel.de) als Reiseveranstalter auf dem Reisemarkt tätig war. Wir buchten bei ihm bereits eine Namibia-Reise und wollten über ihn eigentlich im Mai nach Uganda. Wir fragten ihn, ob er auf seinem Kanal vielleicht an einen günstigeren Flug als den ET-Flug für über 4500 USD käme. Und tatsächlich, er konnte uns ein Lufthansaflug für "nur" 3700 Euro anbieten. Na gut, wenigsten etwas gespart, dachten wir, aber zuerst muss Steven zurück in Deutschland sein.

Mit einem Tag Verspätung kam dann Steven mit seinem Freund am 10.04. in Deutschland an.

Ab diesem Tag musste jeder Reiserückkehrer in eine 14tägige Quarantäne, aber das sollte jetzt das kleinste Problem sein.

Wir buchten nun am 11.04. bei Harald unseren bis dahin teuersten Flug für 3700 Euro für den 16.04. über Lufthansa, die den Ethiopian-Flug im Code-Sharing anbot. Hm, komisch, die Swiss konnte uns auf den ET-Flug nicht umbuchen, aber Lufthansa, die ja bekanntlich auch zur Lufthansagroup gehörte bot ihn an. Unverschämtheit dachten wir. Aber das kann man ja noch klären, wenn wir zurück in Deutschland sind. Oberste Priorität war es erstmal nach Hause zu kommen.

Wir buchten also den Flug am 11.04. ohne da zu wissen, dass die tansanische Regierung ihren Luftraum ab diesem Tag schloss und keine Flugzeuge ohne Sondergenehmigung mehr ein- bzw. ausfliegen durften. Wir bezahlten also 3700 Euro bei Harald der mit seiner Firma selbst nicht wusste, wie es weitergeht. Glücklicherweise war er so freundlich und überwies dieses Geld in zwei Margen an uns zurück. So funktioniert Freundschaft.

Da nun der Luftraum geschlossen war und keiner wusste wann er wieder geöffnet wurde, das Rückholprogramm der Bundesregierung für uns nicht galt und auch die Botschaft in Daressalam nicht so handelte wie die Botschaft in Tokio, blieb uns erstmal nichts anders übrig, als es uns in Ushongo so gemütlich wie nur möglich zu machen...